(jom/spot), TVNOW / Bernd-Michael Maurer

"Die Höhle der Löwen": Carsten Maschmeyer schwärmt über Nico Rosberg

31.08.2020

Endlich wird wieder um die besten Gründer-Deals gefeilscht: An diesem Montag (31. August, 20:15 Uhr, VOX und TVNow) startet die neue Staffel "Die Höhle der Löwen". Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news spricht Löwe Carsten Maschmeyer (61) über die besonderen Episoden, die in Teilen nach einer Drehpause unter Corona-Auflagen entstanden sind. Der Unternehmer verrät außerdem, wie der neue Investor Nico Rosberg (35) die Löwen-Runde bereichert und wie lange er selbst bei "DHDL" noch mitmachen möchte.

Maschmeyer spricht auch über sein Unternehmerdasein in der Corona-Krise und warum ihm die Pandemie eine andere Sicht auf seine Hautkrebserkrankung im vergangenen Februar gegeben hat: "Da habe ich gemerkt, dass es jetzt etwas viel Wichtigeres gibt, als eine Narbe auf meiner Nase."

Das Löwen-Rudel hat ein neues Mitglied. Wie verstehen Sie sich mit Ihrem neuen Kollegen Nico Rosberg?

Carsten Maschmeyer: Wir verstehen uns sehr gut, denn Nico ist eine enorme Verstärkung, ein super Löwe. Er ist ein Medienprofi. Und er ist nicht nur der schnellste Rennfahrer gewesen, sondern ist auch schnell in seinen Fragen, Antworten und Entscheidungen. Ich freue mich sehr und bin stolz, dass er dabei ist. Er hat seinen Fokus auf Mobilität und Nachhaltigkeit gesetzt und will dabei nicht nur gute Investments tätigen, sondern wirklich etwas verändern.

Ist er ein großer Konkurrent für Sie?

Maschmeyer: Jeder neue Löwe bringt neuen Wettbewerb ins Löwen-Rudel. Dieses Mal haben wir besonders gute Beute machen können: Es waren herausragende Innovationen und bahnbrechende Erfindungen in den Bereichen Nachhaltigkeit, künstliche Intelligenz und Digitalisierung dabei. Auch Forscher von großen wissenschaftlichen Instituten präsentierten ihre Ideen. Klar, dann ist der Kampf, wenn es lukrative Deals gibt, natürlich härter. Aber das ist zwischen allen Löwen so. Wir haben gekämpft und es ging mit härteren Bandagen zu. Ich bin überzeugt: Die Zuschauer werden das lieben. Spannend ist auch, dass es an den jeweiligen Drehtagen immer neue Konstellationen der Löwen gibt. So wägt man ab, wer da ist, mit wem man vielleicht einen Deal zusammen macht oder welcher Löwe einem gerade an dem Tag als Rivale in die Quere kommen könnte.

Sie haben in dieser Staffel so viele Deals wie noch nie bei "Höhle der Löwen" gemacht. Wie kam es dazu?

Maschmeyer: Ein wesentlicher Grund ist, dass es dieses Mal so viele herausragende Gründer und spannende Geschäftsideen gibt. Dabei geht es auch um große Investitionssummen. Sony Pictures hat einen Traumjob gemacht. Noch dazu, weil wir die Hälfte des Drehs im Corona-Ausnahmezustand waren, das heißt manche Gründer konnten gar nicht kommen, weil sie aus Österreich und der Schweiz angereist wären oder sich nicht getraut haben, in den Zug zu steigen.

Stimmt es, dass Judith Williams wegen Corona mit ihrem Mann sogar auf Ihre Gastfreundlichkeit setzen musste?

Maschmeyer: Es waren in Köln alle Hotels coronabedingt geschlossen, da habe ich den beiden das Angebot gemacht, sie unterzubringen. Wir haben uns abends noch zusammengesetzt und ein Gläschen Wein getrunken, natürlich mit Abstand, und morgens zusammen gefrühstückt. Die Beziehung ist noch herzlicher und freundschaftlicher geworden als sie ohnehin schon war.

Wie waren die Dreharbeiten unter Corona-Auflagen?

Maschmeyer: Wir sind froh, dass wir trotz Corona so viele Folgen gedreht haben wie nie zuvor. Aber es war schon eine ganz andere Stimmung. Für mich war am beklemmendsten, dass wir Löwen bei einem Deal-Abschluss nicht auf die Menschen zugehen durften, ihnen nicht mal die Hand schütteln oder sie aus dem Impuls heraus mal in den Arm nehmen und drücken konnten. Häufig bin ich nach einem erfolgreichen Deal aufgesprungen, auf die Gründer zugelaufen und habe dann zugerufen bekommen: 'Carsten, denk' an Corona.' Vor und nach den Drehs waren die Folgen von Corona allgegenwärtig: Türklinken wurden alle paar Minuten desinfiziert und das Produktionsteam trug ohne Ausnahme Handschuhe und Masken - das war schon ungewohnt. Bei den Pitches hatte es insofern Auswirkungen, als dass wir uns jetzt auch bei guten Geschäftsmodellen fragen mussten, ob sie auch in einer Corona-Zeit bestehen. Das kam als neues Entscheidungskriterium dazu.

Wie haben Sie die Corona-Krise bisher als Unternehmer erlebt?

Maschmeyer: Zuallererst als normal Arbeitender, der auch im Homeoffice war und von dort viel gearbeitet hat. Auch am Wochenende gab es keine Pause von Corona, weil ich als Investor immer die besorgniserregenden Nachrichten über steigende Infektionszahlen oder die Hoffnung auf mögliche Impfstoffe verfolgt habe. Man hatte die fallenden Börsenkurse im Auge und denkt an die Start-ups, die womöglich Existenzprobleme bekommen, weil sie kaum noch Umsatz hatten. Gleichzeitig ging es mir auch darum, Start-ups und Gründer zu unterstützen, Wege aus der Krise zu finden - mit neuen Geschäftsmodellen und dem geschärften Blick darauf, was auch in der Post-Corona-Zeit Erfolg hat. Es war eine super intensive Zeit!

Was bedeutet es Ihnen, ein Teil von "Die Höhle der Löwen" zu sein?

Maschmeyer: Als ich vor gut fünf Jahren gefragt wurde, haben damals viele gesagt, dass man die Gründerszene unterstützen muss, kaum einer wurde aber richtig aktiv. Mit "Die Höhle der Löwen" habe ich die Chance dazu. Das Ganze ist für mich also nicht nur Fun, sondern auch ein Beitrag zu mehr Gründergeist in Deutschland. Und es ist harte Arbeit: Wir reisen bis zu zwanzig Mal pro Staffel nach Köln. Wir sind morgens um neun im Studio, sehen dann sechs Pitches und drehen bis teilweise abends um neun Uhr. Meine Frau hat mich in vergangenen Staffeln am Set besucht und es auf den Punkt gebracht: "Ihr macht so etwas wie sechs Talkshows am Tag und wisst vorher nicht mal das Thema..." Man muss immer konzentriert sein und sollte spontan, aber nicht zu flapsig sein, denn jeder Gründer verdient Respekt und die Kameras laufen immer...

Wie haben Sie Frank Thelens Ausstieg erlebt?

Maschmeyer: Ich fand es sehr konsequent, dass Frank, nachdem er kaum noch Deals gemacht hat, einen Schlussstrich gezogen hat. Er war ein Löwe der ersten Stunde und hat zweifelsohne die Sendung damals mitgeprägt. Ich selbst kann sagen, dass ich sehr gerne weitermache, solange die Produktionsfirma Sony so tolle Gründer findet. Manche davon hätte ich ohne die Sendung nie kennengelernt und wahrscheinlich hätte ich mich auch nie für bestimmte Themen interessiert. Für mich als neugierigen Menschen ist "Die Höhle der Löwen" immer wieder eine neue Entdeckungsreise und Zukunftsunterricht. Und mit Nico Rosberg kommt frischer Wind herein, der Energie und Kompetenz mitbringt, sodass wir durch ihn vielleicht weitere gute Gründer für seinen Investmentfokus kriegen.

Haben Sie einen Deal jemals bereut?

Maschmeyer: Ich verstehe mich mit allen Gründern gut, selbst wenn es mal nicht klappt. Ich habe auch schon Insolvenzen begleitet und stehe mit den Unternehmern auch dann noch in freundschaftlichem Kontakt. Es ist doch so: Niemand scheitert mit einem Start-up, weil er oder sie faul oder dumm ist, manchmal plant man eben am Markt oder am Kunden vorbei. Natürlich gab es auch Enttäuschungen, aber die gehören dazu. Einmal habe ich es erlebt, dass ein Gründerteam einen Bilderbuch-Auftritt hatte und auf jede Frage die perfekte Antwort gab. Beim Treffen danach haben sie etwas ganz anderes geantwortet, sie haben den Auftritt also wie eine Theater-AG zuvor einstudiert. Andere Gründer präsentierten ein gutes Produkt, hatten aber eher eine Behörden-Mentalität und waren nicht flexibel. Das passt als Gründer überhaupt nicht. Gründen heißt Improvisieren und immer flexibel und variabel sein. Wir haben glücklicherweise in viele Start-ups investiert. Unterm Strich sind wenige schlechte und viele gute dabei.

Anfang des Jahres wurde Ihre Hautkrebserkrankung bekannt. Wie geht es Ihnen heute gesundheitlich?

Maschmeyer: Ich hatte sehr gute Ärzte, die drei tumorchirurgische und zwei rekonstruktive Operationen durchgeführt haben. Hautkrebs ist zum Glück lokalisierbar und es gibt keine Metastasen, aber dass die betroffene Stelle auf der Nase mitten im Gesicht ist, war schon Pech. Anfang Februar dachte ich noch, die Erkrankung wäre für mich persönlich sehr, sehr wichtig. Zwei Tage nachdem ich nach der ersten OP wieder im Büro war, haben wir dann wegen Corona alle Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Da habe ich gemerkt, dass es jetzt etwas viel Wichtigeres gibt, als eine Narbe auf meiner Nase. Nämlich, dass so viele Menschen weltweit arbeitslos werden, Folgeschäden von einer Infektion davontragen oder sogar Angehörige betrauern. Das ist die wahre Katastrophe und wir können nur hoffen, dass wir die Pandemie endlich in den Griff bekommen.

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